Am 12. Juni gegen 18:00 Uhr UTC kam es weltweit zu einem Ausfall der Backend-Infrastruktur von Google Cloud. Authentifizierungsdienste fielen aus. Das DNS versagte. Die Datenverarbeitung kam zum Erliegen. Cloudflare Workers KV – ebenfalls auf GCP gehostet – brach daraufhin zusammen, was zu einer Kettenreaktion von Ausfällen im gesamten Internet führte. Spotify, Discord, Google Meet und unzählige andere Dienste waren nicht mehr erreichbar. In einigen Regionen dauerte die Störung über 2,5 Stunden an.
Für die meisten Menschen bedeutete dies einen frustrierenden Abend ohne ihre Lieblings-Apps. Für Fahrer von Elektroautos, die auf mit der Cloud verbundene Ladegeräte angewiesen sind, hatte dies jedoch weitaus schwerwiegendere Folgen: Sie konnten ihre Autos nicht aufladen.
Die Schwachstelle, über die niemand spricht
Die meisten Ladepunkt-Managementsysteme (CPMS) sind auf eine ständige Verbindung zum Backend angewiesen. Das Ladegerät muss mit der Cloud kommunizieren, um den Nutzer zu authentifizieren, die Sitzung zu autorisieren und die Transaktion abzuwickeln. Ist Ihr Backend nicht erreichbar, werden Ihre Ladegeräte zu nutzlosen Kisten aus Plastik und Kupfer.
Während des Ausfalls konnten die Fahrer weder auf Apps zugreifen noch RFID-Karten verwenden, um den Ladevorgang zu starten. Die Ladegeräte selbst waren technisch in Ordnung – der Strom floss, die Hardware funktionierte –, doch die Software, die den Zugang steuerte, war vollständig von Servern abhängig, die Tausende von Kilometern entfernt und offline waren.
Das ist kein theoretisches Risiko. Es handelt sich um eine strukturelle Schwachstelle, die in der Architektur fast jedes Ladesystems für Elektrofahrzeuge weltweit fest verankert ist.
Warum dies wichtiger ist, als Sie denken
Ausfälle in der Cloud sind keine Seltenheit. Bei den großen Cloud-Anbietern kommt es mehrmals im Jahr zu erheblichen Störungen. Und dabei handelt es sich nur um die Vorfälle, die Schlagzeilen machen – kleinere, regionale Ausfälle treten ständig auf.
Hinzu kommen nun noch die Herausforderungen im Bereich der Konnektivität, mit denen das Laden von Elektrofahrzeugen ohnehin schon zu kämpfen hat:
- Tiefgaragen ohne Mobilfunkempfang
- Ladestationen in ländlichen Gebieten mit unzuverlässigem Breitband
- Baustellen und temporäre Einrichtungen ohne festen Internetanschluss
- Mehrfamilienhäuser, in denen die Verlegung von Ethernet-Kabeln zu jeder Ladestation unerschwinglich teuer ist
Die Abhängigkeit von der Cloud führt nicht nur zu einem einzigen Ausfallpunkt – sie führt zu einem einzigen Ausfallpunkt in Umgebungen, in denen die Konnektivität ohnehin schon unzuverlässig ist.
Die Offline-First-Alternative
Bei HeyCharge haben wir SecureCharge auf einer grundlegend anderen Prämisse aufgebaut: Das Internet wird nicht immer verfügbar sein, und das Laden muss trotzdem funktionieren.
Unsere Offline-First-Architektur bedeutet:
- Die Authentifizierung erfolgt lokal über Bluetooth zwischen dem Smartphone des Fahrers und dem Ladegerät
- Die Sitzungsverwaltung erfolgt direkt auf dem Gerät – es ist kein Datenaustausch mit einem Cloud-Server erforderlich
- Die Daten werden asynchron synchronisiert, sobald eine Verbindung besteht, wobei das Store-and-Forward-Verfahren zum Einsatz kommt
Das Ergebnis: Wenn Google Cloud ausfällt, wenn Mobilfunknetze stören, wenn der WLAN-Router im Parkhaus neu startet – HeyCharge-Ladegeräte funktionieren einfach weiter. Jedes Mal.
Die Lektion
Die entscheidende Frage ist nicht, ob es wieder zu Cloud-Ausfällen kommen wird – das wird es. Die Frage ist vielmehr, ob Ihre Ladeinfrastruktur so ausgelegt ist, dass sie solche Ausfälle überstehen kann.
Bei der Ladeinfrastruktur sollte die grundlegende Funktionalität – nämlich die Möglichkeit für Nutzer, ihre Fahrzeuge aufzuladen – Vorrang vor cloudbasierten Funktionen wie Echtzeit-Dashboards und dynamischer Preisgestaltung haben. Diese Funktionen sind zwar wertvoll, aber nicht unverzichtbar, wenn ein Fahrer sein Fahrzeug anschließen muss.
Der Tag, an dem die Cloud ausfiel, hat uns daran erinnert, dass das Internet eine Annehmlichkeit ist, aber keine Garantie. Die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge muss entsprechend ausgebaut werden.